„Wort zum Sonntag"

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch. Amen

 

Ich grüße Sie mit dem Spruch für die neue Woche: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Römer 12, 21)
Dieser Vers atmet den Geist Jesu. Das Gute als überraschende Erwiderung kann etwas Entwaffnendes haben. Diese Abrüstung aller erhitzter Situationen und Gemüter unserer Tage können wir gut gebrauchen.
Mit Jesus verbinden wir Nächstenliebe, Friedfertigkeit und sein Einstehen für Menschen, die am Rande der Gesellschaft sind. Seine Botschaft reicht aber noch darüber hinaus. Während die Aufforderung, seinen Nächsten zu lieben, in vielen Religionen und Kulturen zu vernehmen ist, sagt Jesus: Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen. Wer auf die rechte Backe geschlagen wurde, soll auch noch die linke hinhalten. Diese Forderungen der Feindesliebe erscheint oft naiv und gefährlich. Müssen wir uns alles gefallen lassen? Ist das nicht wirklichkeitsfremd?
Als Jesus seine Jünger beruft, macht er ihnen deutlich, dass dieser Weg mit ihm konfliktreich sein kann. Die Botschaft der Liebe Gottes, die allen Menschen gleichermaßen gilt: Männern, Frauen und Kindern, Armen und Reichen, Gesunden und Kranken, den Nächsten und den Fremden, ist provozierend. Die Unterschiede, die Menschen gerne machen, gelten bei Gott nicht, sie haben für ihn keine Bedeutung. Das und das Festhalten an dem einen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, ruft Widerspruch hervor. Er, seine Jünger und alle, die ihm nachgefolgt sind, erleben Anfeindungen. Das kommt in dem Predigttext für den heutigen Sonntag zur Sprache:
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden. (Matthäus 10, 34-39)
Das hier Gesagte klingt gar nicht so friedlich. Vielleicht reiben wir uns verwundert die Augen und sagen: Das soll Jesus gesagt haben? – Aber schauen wir genauer hin: Jesus schwört hier die Seinen nicht auf den Kampf ein. Der Weg Jesu ist und bleibt der der Gewaltlosigkeit und des Friedens. Aber er verdeutlicht, dass seine Jüngerinnen und Jünger Anfeindungen und Streit erleben werden.
Rückblickend haben nicht wenige im Osten mit ihrer Zugehörigkeit zur Kirche und ihrem Glauben solche Erfahrungen gemacht: In der Schule und auf Arbeit öffentlich an den Pranger gestellt und benachteiligt zu werden. Nicht Abitur machen zu dürfen und keinen Studienplatz zu bekommen. Karrierenachteile zu haben…
Wie steht es damit heute? Gott sei Dank leben wir in einem Land, in dem Religionsfreiheit hoch gehalten wird. Vielleicht werde ich wegen meines Glaubens oftmals von anderen verwundert angeschaut und manchmal auch belächelt, aber benachteiligt eher nicht. Während es in anderen Teilen der Welt lebensgefährlich sein kann, sich als Christ/in zu erkennen zu geben, haben wir heute wegen unseres Glaubens nichts zu befürchten.
Dennoch lässt das, was Jesus hier anspricht, aufhorchen. Spaltungen in der Gesellschaft, bis hinein in die Familien, vergrößern sich gerade. Selten geht es dabei um Religion. Eher schon um Politik und die Sicht auf unsere Welt. Es ist tragisch, wenn es erbitterten Streit und eine unüberbrückbare Kluft in Familien und im Freundeskreisen gibt, weil Ansichten auseinanderdriften: zwischen Menschen, die den Klimawandel für bedrohlich halten und dagegen etwas tun wollen und anderen, die das für Quatsch halten. Zwischen Menschen, die sich impfen lassen, um sich und andere zu schützen und denen, die das aus welchen Gründen auch immer für gefährlich halten. Zwischen Menschen, die uns bei der Digitalisierung in der Steinzeit verorten und anderen die sich gegen elektromagnetische Strahlung mit Alufolie abschirmen.
Das alles hat eigentlich keinen Bekenntnisrang. Und dennoch wird darum erbittert gestritten und irgendwann manchmal gar nicht mehr miteinander geredet. Mit dem christlichen Glauben haben diese Entzweiungen vordergründig nichts zu tun. Aber unser Glaube ist gefragt, wenn es um die Fragen geht, wie wir leben und miteinander umgehen wollen, wo wir Verantwortung haben, und wo es um das Festhalten an der Wahrheit geht.
Aus dem christlichen Glauben erwächst eine Verantwortung für unser Miteinander und die Schöpfung. Und dafür einzutreten, ist dann auch vonnöten. Jesu Aufruf der Feindesliebe kann hierbei wegweisend sein. In den meisten Konflikten unserer Gesellschaft sehen sich Menschen erbittert als Feinde gegenüber. Hass und Verunglimpfungen sind dabei an der Tagesordnung.
Wenngleich für die Wahrheit auch leidenschaftlich einzustehen ist, sollte der andere aber mit seiner mir widerstrebenden Meinung nicht als Feind gesehen werden, der zu bekämpfen ist. In dem anderen Menschen ein Kind Gottes und das von ihm geliebte Geschöpf zu sehen – was auch immer für einen Blödsinn er oder sie gerade vertritt – das ist die Herausforderung der Feindesliebe Jesu.
In all dem den eigenen christlichen Glauben zur Sprache zu bringen, kann hilfreich sein. Vielleicht bringt das eine neue Perspektive in fest gefahrene Gesprächslagen. Denn was kann es Wichtigeres geben, als den ins Gespräch zu bringen, der Grund unserer Hoffnung ist und uns durchträgt. Der Kraft zum Guten gibt und uns vergibt, wo wir verkehrt liegen. Der uns den Mut schenkt, für Überzeugungen einzustehen, aber auch die Gelassenheit, Dinge die wir nicht ändern können, seinen Händen anzubefehlen. Amen
Lasst uns beten:
Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, in Jesus Christus hast du deine Liebe gezeigt. Gib uns die Sehnsucht in unser Herz, uns nach dir auszustrecken. Lass unser Tun und Reden von deiner Liebe bestimmt sein, damit Verständigung gelingt und Spaltungen überwunden werden.
Herr wir bitten dich für deine weltweite Kirche. Schenke Gemeinschaft und Verbundenheit trotz aller Unterschiede. Wir bitten dich auch für unsere Partnerkirchen und -gemeinden. Lass uns in Christus alle verbunden sein. Stärke alle, die sich für den Frieden und die Verständigung der Religionen einsetzen und wehre allem Hass.
Wir bitten dich angesichts vielfältiger internationaler Konflikte und Krisen um gute Strategien und Besonnenheit in den diplomatischen Beziehungen. Lass alle Verantwortlichen den Ernst der Lage begreifen und danach handeln.
Herr, wir bitten dich für alle, die resignieren und die Hoffnung verloren haben. Schenke ihnen Menschen, die ihnen wieder Mut machen und sie aufrichten. Wir bitten für alle Kranken und Einsamen. Sei du ihnen nahe und sende deinen Heiligen Geist.
 
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Das sind unsere Kontaktdaten:
Christine Enkelmann im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Nachbarschaftshilfe - 0162 7687770

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich.
Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz