„Wort am Sonntag“

Am 2. Sonntag nach Epiphanias

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns. Amen.
Ich grüße Sie am heutigen Sonntag mit dem Spruch der Woche:
Von seiner Fülle haben wir genommen, Gnade um Gnade. Johannes 1,16
Momentan verspüren wir eher einen Mangel. Den Mangel an Perspektiven, an Sicherheit, an Geselligkeit und Ausgelassenheit. Die Erinnerung an Gottes Zuwendung mag uns dazu bringen, Zuversicht zu gewinnen. Bei Gott ist die Fülle. Möge er unser Herz erfüllen mit Glaube, Hoffnung und Liebe!
Wir beten mit Worten aus Psalm 105
Danket dem HERRN und rufet an seinen Namen; verkündigt sein Tun unter den Völkern! Singet ihm und spielet ihm, redet von allen seinen Wundern! Rühmet seinen heiligen Namen; es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen! Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit! Er ist der HERR, unser Gott, er richtet in aller Welt. Er gedenkt ewiglich an seinen Bund, an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter.
Ein rauschendes Fest zu feiern, das wäre mal wieder was: So ganz ohne Sorge und völlig unverkrampft mit vielen Gästen. Nicht vorsorglich auf Abstand bedacht sein müssen, sondern alle an einer langen Tafel. Mit Essen und Trinken und einem großen Buffet, dass sich die Tische biegen. Mit Musik und ausgelassener Stimmung!
Ich habe überlegt, wann das das letzte Mal war. Ich erinnere mich an Geburtstagsfeiern. Ich denke an die große Tafel für 150 Menschen in der Marienkirche vor gut zwei Jahren zum Abschluss der Großen Baumaßnahme, an die Feste in der Annenkapelle, die bis auf den letzten Platz gefüllt war.
In vergangenen Sommer gab es die Möglichkeit zu Familienfeiern, wenn auch nur in kleineren Runden. Und momentan ist das weder möglich noch geraten. Die Sehnsucht aber, mal wieder in großer Runde das Glas zu erheben, ist groß. Wann wird das wieder möglich sein?
Wollen wir, wenn die Pandemie überwunden ist, hier ein großes Fest feiern? Vielleicht verbunden mit einem schönen Anlass, oder einfach so das Leben feiern?
Wenn wir etwas entbehren, dann merken wir, wie wichtig es ist. Feste und fröhliche Geselligkeit sind kein Luxus, sondern wir brauchen sie als heilsame Unterbrechungen des Alltags. Mit dieser aktuellen Erfahrung höre ich das erste Wunder Jesu noch einmal ganz neu. So wird es erzählt im Evangelium des heutigen Sonntags (Johannes 2, 1-11): Einer Hochzeitsgesellschaft war am dritten Tag der Feier der Wein ausgegangen. Maria, die Mutter Jesu, bemerkt es. Sie fordert Jesus auf etwas zu tun. Und so lässt Jesus sechs Steinkrüge mit Wasser füllen. Als der Speisemeister die Krüge verkostet, ist in ihnen der edelste Wein.
Ich mag diese Geschichte, weil sie über das Alltägliche hinausgeht. Jesus hat Kranke geheilt und ihnen aus ihrem Elend geholfen, er hat Menschen aus Lebensgefahr gerettet, indem er den Sturm still. Er hat Hungrige versorgt mit Brot und Fischen. Aber hier rettet er ein Hochzeitsfest. Es ist recht betrachtet auch ein Akt der Barmherzigkeit. Denn der Bräutigam wurde so vor der Blamage bewahrt, ein schlechter Gastgeber zu sein. Das hätte man noch Jahrzehnte später erzählt, dass es auf seiner Hochzeit keinen Wein mehr gab. Und so wird es doch noch ein rauschendes Fest. Für Nachschub ist gesorgt: 600 Liter besten Weines sind nun wieder zur Hand.
Der Wein hat eine besondere Symbolik im Umfeld des Volkes Israel. Er steht für die Fülle des Göttlichen und die Lebensfreude. Beim jüdischen Pessachfest ist er unverzichtbar in Gestalt mehrerer Segensbecher. Und auch beim christlichen Abendmahl steht er für die Gegenwart Christi, die uns zugesprochen wird und die wir in der Gemeinschaft erleben. Es gibt auch eine Sehnsucht nach der Feier des Abendmahls, das in der gegenwärtigen Situation bei uns und in vielen Gemeinden lange nicht mehr gefeiert wurde. Wenn es irgend geht, wollen wir es ab Gründonnerstag wieder bei uns halten.
Maria hat in der Erzählung von der Hochzeit zu Kana eine besondere Rolle. Sie thematisiert als erster den Mangel an Wein und will Jesus bewegen, Abhilfe zu schaffen. Jesus will anfangs nicht, aber Maria bleibt beharrlich. Sie wendet dabei einen Trick an. Sie setzt Jesus gleichsam unter Druck, indem sie sagt: „Leute, schaut auf Jesus. Tut alles, was er sagt!“ Damit hat sie die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt und ihm bleibt eigentlich keine andere Wahl, als es zu tun.
Maria hat Zutrauen zu Jesus. Denn sie weiß, dass er alles vermag. So beharrlich wie Maria, göttlich Hilfe erbitten, dürfen auch wir. Wir sollen dabei nicht locker lassen. Denn wir können von ihm etwas erwarten. Im Normalfall ist es nicht gerade leicht, etwas von Gottes Wirken in unserer Welt zu sehen. Aber nur wer etwas von Gott erwartet, wird seiner Hilfe auch gewahr. Andernfalls könnte es sein, dass wir das Rettende gar nicht bemerken. Und so können auch wir angesichts von Mangel an Gütern, an Hilfe, Zuversicht und Vernunft, Gott beharrlich bitten und wir können andere auf Christus aufmerksam machen. Darauf hinweisen, wie Maria es tat, dass von Ihm etwas zu erwarten ist. Wie man gesehen hat, kann das Wunder bewirken.
Am Ende der Erzählung ist das Staunen groß. Der Speisemeister wundert sich, dass der Wein, der nun zum Vorschein gekommen ist, unübertroffen ist und sagt zum Bräutigam: „Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“Den guten Wein gibt’s zuletzt. – das ist die Pointe dieser Erzählung. Darum gilt es nicht Wasser zu predigen, sondern vielmehr Wein. Wir dürfen uns an den Gaben freuen, die wir von unserem Schöpfer empfangen haben. Und wie viel das ist, merken wir vielleicht gerade in Entbehrungssituationen.
Was aber dann kommt, das übersteigt alles Gewesene. Das übersteigt auch alle unsere Vorstellungen. Den besten Wein gibt´s zuletzt. – Darin kommt zum Ausdruck, dass das Leben, das Gott uns schenkt, zu bejahen und zu feiern ist. Zugleich findet darin die christliche Hoffnung ihren Ausdruck: Am Ende wird aller Mangel behoben ist und Gottes Güte in ihrer Fülle offenbar sein. Amen.
 
Barmherziger Gott, Du hast deinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt, der sagt: ich bin das Licht der Welt. Erleuchte durch ihn die Welt und erleuchte auch uns.
Wir bitten dich für deine Kirche weltweit und auch für unsere Gemeinde, dass sie ein Ort ist, an dem das Licht Deiner Wahrheit und Güte strahlt. Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.
Wir bitten für alle, die in Politik und Wirtschaft entscheiden. Insbesondere bitten wir auch für diejenigen, die in der Wissenschaft nach neuen Wegen suchen. Gib Klarheit der Gedanken und des Gewissens, dass alle Erkenntnis zur Bewahrung der Schöpfung und dem Wohle der Menschen dient. Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.
Wir bitten für einen dauerhaften Frieden zwischen Völkern und Religionen, zwischen Israel und Palästina, in Syrien, im Nahen Osten, in Afrika und Amerika, dass Spaltungen in der Gesellschaft überwunden werden. Wehre aller Gewalt und leite Menschen auf den Weg des Friedens. Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.
Wir bitten für unsere Familien und Freundschaften, für die Menschen, mit denen wir täglich zu tun haben. Tröste die Trauernden, steh den Kranken und Einsamen bei, dass sie Hilfe und Beistand erfahren. Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.
Herr, erleuchte unseren Weg bis wir ankommen in deinem Licht. Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Gehet hin im Frieden des Herrn:
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.
Das sind unsere Kontaktdaten:
Christine Enkelmann im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Nachbarschaftshilfe - 0162 7687770

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich.
Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz