„Wort zum Sonntag"

Er trägt dem Namen: Misericordias domini - die Barmherzigkeit des Herrn.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns. Amen.
Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.
Meine Schafe hören meine Stimme,
und ich kenne sie,
und sie folgen mir;
und ich gebe ihnen das ewige Leben.
In Zeiten der Unsicherheit tut dieser Vers aus dem Johannesevangelium gut. Es gibt etwas, was helfen kann: der Glaube an einen Gott, der sowohl Zuspruch und Anspruch ist als auch Verheißung.
Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.
Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Was mir der Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins. (Johannesevangelium 10, 11-16. 27-30)
Was gäben wir drum, wenn jemand wäre, der genau wüsste, was wir brauchen und was daraufhin zu tun ist? Denn lange schon suchen wir nach Lösungen und testen vieles. Trotzdem baut sich die dritte Welle auf. Darüber ist die Zeit lang geworden, und die Kraft, um gegenzusteuern, ist aufgebraucht. Wen wundert’s, dass die Menschen dann Vorschlägen zustimmen, wenn diese gar Erlösung von den Strapazen der Vorschriften versprechen. Wir brauchen dringend jemanden, der nicht nur sagt, wo es lang geht, sondern der auch weiß, wie es gut geht.
Gott bietet sich als ein solch Jemand an. Die einen werden darüber lachen, andere fragen jedoch genauer nach. Nein, Gott ist kein Virologe und keine Hygienikerin. Gott ist kein Politiker und keine Beamtin im Ordnungs- oder Gesundheitsamt. Trotzdem meldet sich Gott heute zu Wort, um die Führungsrolle zu übernehmen, und er behauptet, darin gut zu sein.
Mindestens drei seiner Eigenschaften zeichnen ihn dabei als außerordentlich geeignet aus.
Gott ist uneigennützig. Sein eigenes Interesse besteht nämlich darin, die Bedürfnisse derer zu befrieden, für deren Wohlergehen er verantwortlich ist. Dann ist er auch selbst zufrieden. Einen Machtanspruch anderen gegenüber erhebt er deshalb nur, wenn er merkt, dass deren Eigennutz den anderen zum Schaden gereicht. Ansonsten aber praktiziert er keine Machtspiele.
Eine weitere erfolgversprechende Eigenschaft ist eng damit verbunden: das ist seine Empathie. Wir Menschen sind ganz und gar nicht dumm. Wir wissen viel und sehr wohl, was wir wollen. Und wer unser Anführer, unsere Anführerin sein möchte, muss einsehen, dass es nur im Miteinander gelingt. Jemand, der seinen eigenen Willen durchsetzen möchte, wird an uns scheitern. Wer eine Führungsrolle übernimmt, muss deshalb sowohl unsere Stärken als auch unsere Schwächen erkennen und unter einen Hut zu bringen wissen.
Und schließlich ist es der Weitblick, der Gott befähigt, Antwort auf unsere Fragen zu sein. Denn das, was uns betrifft, ist doch nur ein Bruchteil dessen, was im Argen liegt. Der Pandemie werden wir nur Herr, wenn wir internationale Beziehungen nicht zugunsten eigener Interessen außer  Acht lassen. Und so schwer es auch fällt: wir müssen ebenso Geduld haben mit denen, die den Ernst der Lage noch nicht begriffen haben. Die Probleme sind komplexer, als auf den ersten Blick ersichtlich. Schnellen Lösungen sollten wir also skeptisch gegenüberstehen. Wenn wir die Krise weitreichend bewältigten, hätten wir langfristig mehr davon. Und dabei ginge es dann nicht mehr nur um uns, sondern auch um die jungen Menschen, die in Myanmar und in Honkong auf die Straße gehen und vor Gericht stehen. Es geht um Menschenrechtsverletzungen. Und es geht um nicht weniger als die Rettung dieser Erde als unseren Lebensraum.
Großen Herausforderungen stehen wir gegenüber. Das wird deutlicher denn je. Kann Gott dieser Jemand sein, der weiß, wo und wie es lang und gut geht? In gewisser Weise schon. Denn was wir von ihm wissen und was wir ihm glauben, entlastet und ermutigt. Es klärt Grundsatzfragen und ist ein kritisches Korrektiv. Es bewahrt uns davor aufzugeben und weitet den Horizont.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.
Lasst uns beten:
Gott, hab Dank, dass wir uns auf Dich verlassen können und dass Dein Wort uns hilft, rechtschaffend zu leben und glücklich zu sein.
Wir beten für die Menschen, die erschöpft sind nach einem Jahr des Lebens unter Pandemiebedingungen: Öffne ihre Augen und Herzen für die Lichtblicke, die es trotz allem gibt. Lass sie sich gegenseitig ermutigen.
Wir beten für alle, die Entscheidungen treffen und die diese umsetzen müssen: Schenke Weisheit und Verstand. Schärfe den Weitblick und die Menschenkenntnis. Stärke den Zusammenhalt und die Solidarität in der Gesellschaft und unter den Völkern.
Wir gedenken der Opfer der Pandemie. Und wir beten für die, die an und mit dem Corona-Virus gestorben sind: Gott, sei Du bei ihnen gewesen in der Einsamkeit des Sterbens und im Dunkel des Todes. Vollende, was vor der Zeit zu Ende gegangen ist. Lass die Toten weiterleben in Dir. Sei den Angehörigen nahe, gib ihnen Halt, tröste sie.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Gehet hin im Frieden des Herrn:
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.
Das sind unsere Kontaktdaten:
Christine Enkelmann im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Nachbarschaftshilfe - 0162 7687770

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich.
Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz