Unser Wort zum Sonntag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch.
Heile du mich, Herr, so werde ich heil;
hilf du mir, so ist mir geholfen.
(aus dem Buch des Propheten Jeremia 17, 14)
Wer so betet, der verlässt sich auf Gott und vertraut ihm voll und ganz. Auch uns in einem solchen Gottvertrauen stärken zu lassen, feiern wir Gottesdienst. Mögen Gottes Wort, die Lieder und die Musik unserer Seele heilsam sein.

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind.
Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel.
Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann.
Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören.
Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit.
Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
(aus dem Brief an die Epheser 4, 22-32)
Der Brief an die Epheser ist nicht wie andere Briefe des Paulus‘ an eine konkrete Gemeinde gerichtet. Er ist eher so etwas wie ein Rundbrief. Nun sind Rundbriefe nicht jedermanns Sache. Sie haben den Ruf, allgemein zu klingen und wenig Persönliches zu enthalten. Und doch ist für die Botschaft, die unser Briefeschreiber versenden will, die Form des Rundbriefes sehr entscheidend. Denn alle sollen ihn lesen. Und nur, wenn alle ihn gelesen haben, kann die Botschaft des Briefes ihre volle Wirkung entfalten.
Denn es geht in diesem Brief darum, wie wir miteinander umgehen sollen. Es geht darum, was auch uns heute noch hilft, gut zusammenzuleben.
Während ich die Woche über schon über den Predigttext nachdenke, habe ich mich mit einer Konfirmandin verabredet, die sich taufen lassen möchte. Sie freut sich sehr auf ihre Taufe und hat schon alles dafür vorbereitet. Auch den Taufspruch hat sie bereits ausgesucht.
Und während ich mit ihr ihre Taufe besprechen, spüre ich, dass das, was uns in diesem Gespräch durch den Kopf geht, genau das ist, was der Briefeschreiber uns mitteilen möchte: Wir erleben Zeitenwenden und fragen uns dann jedesmal, was zu tun jetzt unsere Aufgabe ist. Darauf antwortet unser Briefeschreiber mit den Worten, die sich die Konfirmandin als Taufspruch ausgesucht hat:  Seid und bleibt freundlich und herzlich und bereit, dem anderen zu vergeben. 
„Was für ein toller Taufspruch und so passend!“, antwortete ich sofort, als sie ihn mir verrät. Denn ist nicht unsere Taufe die wesentliche Zeitenwende in unserem Leben? Eine Zeitenwende, obwohl wir immer schon Gotteskinder sind. Aber in der Taufe verspricht uns Gott, und wir versprechen es ihm, ganz bewusst, christlich zu leben. Seitens Gottes bedeutet das, dass wir unvoreingenommen und bedingungslos geliebt werden und Geliebte bleiben. Und unsererseits bedeutet die Taufe, diese Liebe Gottes Gestalt werden zu lassen in allem, was wir sind, was wir denken und tun.
Gottes Liebe vermag es, dass wir mutig die Wahrheit sagen. Dass wir die Sonne nicht über unserem Zorn untergehen lassen. Dass wir in der Nachfolge Jesu den Nächsten lieben und ihm helfen. Dass wir teilen, was wir haben. Dass wir reden, was gut ist und erbaut.
Den ersten Schritt gehen wir in die Richtung, die uns damit gewiesen ist, wenn wir uns taufen lassen. Unserer Taufe als individueller Zeitenwende folgt dann zwangsläufig die kollektive Zeitenwende. Denn alle Schritte, die wir als geliebte und liebende Menschen gehen, sind Schritte auf andere Menschen zu. 
Und es ist wirklich eine Zeitenwende, wenn wir uns, wenn sich unsere Kirchengemeinde, unsere Gesellschaft, die Weltgemeinschaft genauso verhielten, wie es uns als Christen und Christinnen gebührte. Dann aktivierten wir Selbstheilungskräfte, und unsere Welt würde ein heilender Ort.
Was wir in dem Rundbrief gelesen haben, ist eine Anweisung zu einem glücklichen, zumindest glücklicheren Leben. Es hilft uns zu erkennen, was zu tun ist in Zeiten der Angst und der daraus erwachsenen Härte und Kälte im Umgang miteinander. Wir sollen freundlich und herzlich miteinander umgehen. Das löst nicht gleich alle Probleme. Aber es trägt durch die Zeit, in der wir die Probleme lösen müssen. Wer krank danieder liegt und freundlich und herzlich behandelt wird, gesundet schneller. Wer nicht weiß, wie er für die Familie die gestiegenen Lebenshaltungskosten aufbringen kann, dem hilft, wenn sich jemand mit ihm hinsetzt, zuhört und mit überlegt, wo noch gespart und wo Unterstützung beantragt werden kann. Wen die Klimakrise ängstigt, dem tut gut, wenn ihm Fachleute geduldig und verständlich erklären, was wir tun können, um die Folgen abzumildern (und wir können noch etwas tun; wir müssen es nur tun). Wer Angst hat vor dem Krieg, dem tut gut, wenn er bestärkt wird, Frieden zu stiften auch in kleinen Schritten.
Kleine Schritten können eine große Wirkung entfalten.
Der Abschnitt aus dem Brief, der uns zur Predigt vorgelegt wurde, liest sich leicht und verständlich. Warum? Er verzichtet auf die großen Wörter, mit denen Todsünden und Kardinaltugenden einander gegenübergestellt werden. Was gut ist zu tun, wird hier stattdessen in konkreten Handlungen beschrieben. Das bringt uns das Anliegen nahe, weil wir jeden einzelnen Schritt nachvollziehen und mitgehen können.
Solch konkrete kleine Schritte aufeinander zu und freundlich und herzlich miteinander auf dem Weg – das gering zu erachten, das wäre übel. Denn das macht noch kränker. Das lässt uns verzagen und aufgeben. Das tötet Liebe und Leben. Aus diesem Grund ist der Rundbrief, den auch wir nun nach mittlerweile fast 2000 Jahren erhalten haben, immer noch höchst aktuell und wie auf uns und unsere Situation hin aufgeschrieben. Rundbriefe sind also doch besser als ihr Ruf? Diesen hier sollten wir auf jeden Fall lesen und darauf reagieren. Wir sollten ihn in Wort und Tat weiter verbreiten über alle Verteiler, die uns zur Verfügung stehen. Amen.
 
Lass uns beten:
Gott, der Du Zeit und Raum öffnest, hab Dank, dass uns Dein Wort seit Jahrtausenden die Herzen öffnen kann und dass es uns an die Hand nimmt, um freundlich und herzlich aufeinander zuzugehen und miteinander unterwegs zu sein. 
Umso dringlicher bitten wir, dass das, was in kleinen Schritten beginnt, ausstrahlt in die ganze Welt.
Wir bitten Dich für Menschen, die unter der Last des Alltags zusammenbrechen, die krank und erschöpft sind, die um Verlorenes trauern. Stelle ihnen Menschen an die Seite, die ihnen zu Nächsten werden. Dass sie sich gegenseitig beistehen und helfen. Dass sie sich ihre Welt gegenseitig heller machen.
Wir bitten Dich für Menschen, die in Ängsten leben vor Bombenhagel und Drohnenangriffen wie in der Ukraine und im Nahen Osten, für die, die auf die Flucht sind wie seit langem im Sudan und jetzt auch wieder im Jemen, die kein Wasser und zu wenig zu essen haben. Sende Hilfe!
Und stärke denen den Rücken, die der Lüge, der Ungerechtigkeit und dem Zorn ihre Freundlichkeit und Herzlichkeit entgegensetzen. Dass sie die kalten Herzen erweichen und zur Vernunft bringen, die mit ihrem Hass das Leben der anderen zerstören.
Ermutige alle, die Verantwortung übernommen haben, ehrlich zu sein, integer zu bleiben und dem Wohl der Menschen zu dienen. Dass es Freude macht, sich zusammen zu engagieren und unsere Gesellschaft zu gestalten. Damit man hier gern lebe und arbeite.
Wir bitten Dich, erneuere uns immer wieder und erfülle uns mit Deinem Geist der Freundlichkeit und Liebe. Darum bitten wir Dich mit Jesu Worten.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gibt uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Das sind unsere Kontaktdaten:
Marion Steffen im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an St. Marien herzlich.


Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz