Unser Wort zum 2. Sonntag im Advent

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch. Amen
Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
(Lukasevangelium 21, 28)
Die Last der Sorgen und Ängste liegt auf unseren Schultern und bedrückt uns. Es ist Krieg. Die Umweltkatastrophe ist kaum noch abzuwenden. Um uns herum sind viele krank. Die Arbeit wächst den anderen über den Kopf.
Es gibt zwar Ablenkung. Wir singen und sitzen gemütlich zusammen. Weihnachtspost wird verschickt. Dennoch fällt längerfristig der Blick ins Weite schwer.
Umso tröstlicher finden viele den Stern an unserem Kirchturm. Hoch oben ist er ein Lichtblick im Nebel oder vor dem dunklen Nachthimmel. Er steht für ein Versprechen: bald ist Weihnachten.
Bis dahin heißt es zu warten. Ungeduld macht schlechte Laune. Besser ist es deshalb, ruhig zu bleiben und die Wartezeit sinnvoll zu nutzen. Um nachzudenken, um sich umzuschauen und zuzuhören.
Das bedeutet Advent. Gott ist erst unterwegs und noch nicht da. Und wir nutzen diese Zeit des Wartens, um uns zu fragen, was wir denn überhaupt erwarten und uns erhoffen von einem Gott in dieser Welt.
Der Brauch, am 4. Dezember einen Barbarazweig abzuschneiden und ihn in die Vase zu stellen, ist eine gute Übung dafür. Er geht zurück auf die Legende der Heiligen Barbara. Sie lebte im dritten Jahrhundert. Damals wurden Christinnen und Christen verfolgt, so auch sie. Ihr eigener Vater wollte sie töten. Auf dem Weg ins Gefängnis sei dann das Kleid der Barbara an einem Zweig hängengeblieben. Barbara nahm diesen Zweig und stellte ihn in ein Gefäß mit Wasser. Am Tag ihres Martyriums blühte er auf.
Das Vertrocknete, das scheinbar Vertrocknete erwacht zu neuem Leben. Neugierig, erwartungsvoll schauen wir wie Kinder jeden Morgen nach und fragen uns, ob er es wohl schafft, unser Zweig. Groß ist bereits die Freude, wenn man beobachten kann, wie die Knospe aufplatzt. Der Spalt braucht nur hauchdünn zu sein. Wir sind uns trotzdem sicher: auch in diesem Jahr blüht es zu Weihnachten. Neues Leben erwacht „mitten im kalten Winter“.
So kommt Gott an. So dürfen wir ihn uns vorstellen in unserer Welt: nicht als Krieger oder König, sondern als ein Zeichen neuen Lebens. Und die Nachricht, dass Maria bereit ist, den Gottessohn auszutragen, ist dieses Zeichen. Denn nie zuvor im Leben waren Erwartung und Hoffnung berechtigter als in dem Moment, in dem sein Herz zu schlagen beginnt. Es beginnt, Zukunft zu verkörpern, in der alles möglich ist. Gott in dieser Welt – das ist das Versprechen, das uns berechtigt, etwas erwarten zu können und auf etwas hoffen zu dürfen. Wider alle Vernunft.
Und es bedeutet noch etwas. Wenn ein Herz zu schlagen beginnt, rührt es uns an. Gott berührt uns. Auch das dürfen wir glauben.
Leider haben die Theologen früher ein Problem damit gehabt. Der Leib war ihnen suspekt, der Glaube nur etwas für die Seele. Erst vereinzelt und dann mehr und mehr hat es sich aber dann doch durchgesetzt, dass wir ganz und gar Leib und Seele sind. Dass beides zusammengehört und eines nicht schlechter oder reiner ist als das andere. Aus diesem Grund darf auch der Glaube ein Bauchgefühl und eine Herzensangelegenheit sein.
Als Predigttext wurde dafür ein Liebeslied aus der Bibel für den 2. Sonntag im Advent ausgewählt:
Da ist die Stimme meines Freundes! Siehe, er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel! Mein Freund gleicht einer Gazelle oder einem jungen Hirsch. Siehe, er steht hinter unsrer Wand und sieht durch’s Fenster und blickt durch’s Gitter.
Mein Freund antwortet und spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her! Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist vorbei und dahin. Die Blumen sind hervorgekommen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserem Lande. Der Feigenbaum lässt Früchte reifen, und die Weinstöcke blühen und duften. Steh auf, meine Freundin, und komm, meine Schöne, komm her! (Hoheslied Kapitel 2, 8-13)
Gott und die Menschen begegnen sich wie ein Liebepaar. Das klingt ungewohnt. Doch der Gedanke, dass Gott und Mensch einander lieben – nicht nur platonisch – ist reizend.
Sie schauen sich mit leuchtenden Augen an. Sie sind ganz nah beieinander, halten sich an den Händen, umarmen und liebkosen sich. Sie vergessen alles um sich herum, schweben, fühlen sich wie im Paradies, und es kribbelt im Bauch.
Die allerwenigsten Menschen sind noch nie in ihrem Leben verliebt gewesen. Deshalb wissen jetzt fast alle und können sich vorstellen, wie sich das anfühlt. Gott und Mensch lieben sich. Selbst der Tod kann sie nicht scheiden. Und das ist nun das Besondere dieses Liebespaares. Gott kann schwören, treu zu sein für immer und ewig. Er bleibt an der Seite des Menschen. Auch dann, wenn dieser sich von ihm trennen will. Gott bleibt trotzdem: behütend und beschützend, leitend und begleitend, zärtlich, umarmend. Mit einem stets offenen Ohr und einer nie verschlossenen Tür. Alles vergebend.
Advent bedeutet, dass das Liebste kommt. Weihnachten ist, wenn man sich dann endlich in den Armen liegt. Wer hielte da nicht Ausschau und wünschte sich, dass sich der Zeiger der Uhr schneller bewegte? Es gibt Momente, in denen wir nicht lieben wollen oder nicht lieben können. Advent ist trotzdem. Das lehrt uns die Erfahrung. Denn das Liebste ist nicht aufzuhalten und kann aushalten, dass Tor und Tür noch verschlossen sind. Es bleibt da und wartet geduldig, bis wir es schaffen, ihm doch in die Augen zu blicken. Berührt, gerührt. Das sind dann die anrührendsten Weihnachtsgeschichten. Amen.
Lasst uns beten:
Gott, hab Dank für Dein Versprechen zu kommen. Hab Dank auch für die Zeit des Wartens bis dahin. Denn wir können nachdenken über Dich und uns. Und so denken wir jetzt ganz besonders an diejenigen, die Dich dringend brauchen.
Wir bitten Dich für alle, die gerade in Arbeit ertrinken, weil so viele krank sind. Gib ihnen Kraft und den nötigen Überblick, um das zu tun, was unbedingt getan werden muss.
Wir bitten Dich für alle, die nicht mehr warten können, sondern jetzt sofort Deinen Beistand brauchen: Menschen auf der Flucht, Menschen im Krieg, Menschen, die frieren, weil kein Strom fließt, Menschen, die im Sterben liegen, Menschen, die um Tote trauern. Lass sie geborgen sein in Dir. Sende Hilfe: Menschen mit und ohne Engelsflügel, die sie begleiten auf den Wegen.
Wir bitten Dich um den Frieden in der Welt. Bring wieder zur Vernunft, wer Kriege anzettelt und anheizt. Gib diplomatisches Geschick. Vereine alle, die sich für die Rettung unseres Planeten einsetzen, dass sie sich gegenseitig stärken und ermutigen. Lass sie nicht aufgeben. Und rüttle wach, die sich noch immer in Sicherheit wähnen.
Wir bitten Dich für Deine Kirche, dass sie nicht müde wird, Deinen Advent zu verkünden in der jeweiligen Sprache, durch Worte, Bilder und die Musik. Öffne selbst Tor und Tür, wenn wir es nicht vermögen, damit Du eintreten kannst in unsere Welt.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Das sind unsere Kontaktdaten:
Marion Steffen im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Nachbarschaftshilfe - 0162 7687770

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich.


Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz