Wort zum Sonntag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch. Amen
Christus spricht: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11, 28)
Am heutigen Sonntag hören wir die Einladung Gottes auf eindringliche Weise. Jede und jeder ist eingeladen. Gott will ein Fest mit uns feiern. Das Leben soll gelingen. Das Leben soll ein Fest sein mit Gott als Gastgeber. Aber vieles kann dabei im Wege stehen. In der Erzählung der Bibel von Jona und der Stadt Ninive wird das deutlich (Jona 3, 1-10):
Und es geschah das Wort des HERRN zum zweiten Mal zu Jona: Mach dich auf, geh in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage! Da machte sich Jona auf und ging hin nach Ninive, wie der HERR gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß. Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, und eine Tagereise weit gekommen war, predigte er und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen. Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an. Und als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche und ließ ausrufen und sagen in Ninive als Befehl des Königs und seiner Gewaltigen: Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe etwas zu sich nehmen, und man soll sie nicht weiden noch Wasser trinken lassen; und sie sollen sich in den Sack hüllen, Menschen und Vieh, und heftig zu Gott rufen. Und ein jeder kehre um von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände! Wer weiß, ob Gott nicht umkehrt und es ihn reut und er sich abwendet von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben. Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat's nicht.
Die Geschichte von Jona ist beliebt bei Kindern. Das liegt gewiss an dem Wal, der Jona aus dem Meer rettet, indem er ihn verschluckt und nach drei Tagen wieder an der Küste ausspuckt. In unserer Marienkirche sind wir daran erinnert, wenn wir die Abbildung des 1545 vor Wieck gestrandeten Schwertwales in der nördlichen Turmseitenhalle betrachten. Aber diese Geschichte ist nicht nur eine anrührende Tiergeschichte. Sie handelt von Unrecht, Gewalt, Schuld. Gott ist es leid, mit anzusehen, wie die Menschen in Ninive miteinander umgehen, wie Recht gebeugt und die Schwachen unterdrückt werden. Er schickt Jona, ihnen ins Gewissen zu reden und den drohenden Untergang der Stadt anzukündigen. Jona entzieht sich dem zunächst durch die Flucht übers Meer, aber dann nimmt er doch seinen Auftrag an.
Ich finde es überraschend und berührend zu gleich, wie die Menschen in Ninive darauf reagierten. Gewiss die Lage war ernst. Jona kündigt im Namen Gottes Sanktionen an. Aber die Menschen glauben ihm. Kein Leugnen, keine Ausflüchte; auch Spott oder Anfeindungen gegenüber Jona wären zu erwarten gewesen. Statt dessen Reue, Einsicht und der Entschluss zur Umkehr. Der König geht selbst mit gutem Beispiel voran und ordnet ein Fasten an, steigt herab vom Thron und geht in Sack und Asche. Und wichtiger noch: Alle sollen zu Gott beten und sich vom bösen Weg abkehren. Unrecht und Gewalttaten soll es nicht mehr geben.
Berührend ist das, weil wir es uns so auch in unserer Zeit wünschten, dass ein Mann Gottes – nicht unbedingt ein offizieller, aber vielleicht auch so einer wie Jona, eher zufällig dazu geworden – einem Volk, einem gewalttätigen Herrscher ins Gewissen redet. Und dann  geschieht das Wunder, dass sie zur Einsicht kommen und Unrecht und Gewalttat aufhören.
Eine aktuelle Parallele drängt sich dazu förmlich auf. Aber es gibt nicht nur diese eine. Überall, zu allen Zeiten und immer wieder gibt es Unrecht, Krieg und Gewalt. Und es gibt immer auch Propheten die dagegen anreden. Die Geschichte von Jona und er Stadt Ninive ist ein gutes Beispiel dafür, dass von Anfang an Gottes Botschaft immer auch politisch war. Solche prophetische Worte sind auch heute zu hören. Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche mahnen unseren Umgang mit der Schöpfung an. Sie protestieren gegen die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und die Unterdrückung der Schwachen, gegen Unrecht, Ausgrenzung und Gewalt. Und auch das Untergangsszenario steht dabei deutlich im Raum. Werden diese Stimmen gehört, gibt es Einsicht und Umkehr? – Vielleicht wäre es ja leichter, wenn es einen König gäbe, der das von oben anordnete. Aber den gibt es nicht.
Die Geschichte von Ninive wirft ein Licht auf unseren Umgang mit Schuld. Wir leben in einer Zeit, in der keiner schuld sein will. Keine will´s gewesen sein. Denn wer einen Fehler zugibt, hat schon verloren. Dabei ist es genau umgekehrt. Wer die Größe hat, einen Fehler einzugestehen, hat gewonnen. Und zwar einen Neuanfang.
Es ist ein Missverständnis vom Umgang mit der Schuld, wenn behauptet wird: Vom christlichen Standpunkt aus muss doch alles überall sofort vergeben werden. Das stimmt so nicht. Denn Vergebung setzt immer auch Reue und das Eingeständnis von Schuld voraus. Wo das geschieht, da kann es neu versöhnte Gemeinschaft geben. Das gilt im Kleinen wie im Großen, im Privaten wie im Politischen.
Die Erfahrung, dass das Eingeständnis von Schuld, einen Neuanfang ermöglicht, hat unser deutsches Volk nach 1945 machen können. Ohne dieses Eingeständnis, ohne die Bitte um Vergebung, ohne Worte und Gesten der Reue und Scham, wäre es wohl nicht passiert, dass Deutschland nach all dem Furchtbaren wieder einen so angesehen Platz in der Gemeinschaft der Völker und Staaten hat.
Und noch etwas zeigt uns diese biblische Geschichte. Sie lehrt uns nicht nur etwas über uns Menschen, sondern auch über Gott. Er zeigt sich an dieser Stelle barmherzig. Sein ursprünglicher Plan, die Stadt zu vernichten, reut ihn. Er sieht die Umkehr der Menschen, verschont sie und schenkt einen Neuanfang. An diesen Gott glauben wir. Denn so ist er uns auch in Jesus Christus begegnet. Er ist der vergebende Gott, der sich anrühren lässt von unserem Tun, der selbst noch einmal in sich geht und dann einen Neuanfang schenkt. So versöhnt mit Gott und dem Nächsten, kann das Leben zum Fest werden. Gott lädt uns dazu ein. Amen
 
Lasst uns beten:
Lieber Vater im Himmel, Du lädst alle zu dir ein, auch uns. Wir bitten für deine Kirche. Lass sie zu einem Ort werden, an den sich Menschen willkommen wissen, wo aus deiner Liebe und Vergebung gelebt und danach gehandelt wird.
Wir bitten für das Miteinander der Völker. Schaffe Frieden und Versöhnung, wo Krieg herrscht, und fördere einen gerechten Ausgleich zwischen Nord und Süd, Ost und West. Lass uns mit den Gaben deiner Schöpfung so umgehen, dass die Lebensgrundlage für kommende Genrationen, für Pflanzen und Tiere erhalten bleibt.
Wir bitten für alle, die politische Verantwortung übernehmen, dass sie von Weisheit erfüllt werden und den Blick gewinnen für die Lösung der uns bedrängenden Fragen.
Wir bitten für das Zusammenleben in den Familien zwischen alt und jung. Schenke ein gutes Miteinander, dass Gespräche gefördert werden und Menschen sich füreinander Zeit nehmen. Sei mit kranken und einsamen Menschen, dass sie Zuwendung und Hilfe erfahren.
Um alles, was nottut, bitten wir mit den Worten Jesu:
 
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Das sind unsere Kontaktdaten:
Marion Steffen im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Nachbarschaftshilfe - 0162 7687770

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich.
Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz