Unser Wort zum Sonntag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch.
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde,
so will ich alle zu mir ziehen. (aus dem Johannesevangelium 12, 32)
Wir haben Himmelfahrt gefeiert und gehört: Jesus ist aufgefahren in den Himmel und damit endgültig fort. Doch er hat versprochen, den Tröster statt seiner zu schicken. Darauf warten wir.
Über diese Erwartung hinaus lenkt der Wochenspruch unseren Blick noch weiter – hin zum Ziel aller unserer Lebenswege. Wir werden Gott begegnen. Wirklich und wahrhaftig. Sich schon in diesem Leben in Gott geborgen und behütet fühlen, ist also die Vollendung dessen, was wir erwarten dürfen.
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. (aus dem Buch des Propheten Jeremia 31, 31-34)
Am letzten Sonntag haben sich die Konfirmanden und Konfirmandinnen vorgestellt, die jetzt zu Pfingsten ihre Konfirmation feiern. Sie haben den Gottesdienst gestaltet. Darin haben sie vieles zusammengefasst, was sie an Erkenntnissen und Erfahrungen in Bezug auf ihren Glauben gewonnen haben.
Der Gottesdienst war so etwas wie eine Zusammenfassung, womit wir uns eineinhalb Jahre beschäftigt haben. Zweimal im Monat haben wir uns dazu getroffen, haben die Kirchen besichtigt, sind auf die Kirchtürme gestiegen, haben biblische Geschichten gelesen und die Traditionen der Gemeinde kennengelernt… Wir waren unterwegs. Das hat uns auch als Gruppe zusammengeschweißt. Die Begegnungen mit Christen und Christinnen, mit Politikern und Politikerinnen auf dem Kirchentag hat uns nach der gesellschaftlichen Bedeutung der Kirche fragen lassen. Wir haben Muslime und Jüdinnen in Berlin getroffen und eine gute Zeit miteinander verbracht. So geht es: das Zusammenleben mit Menschen, die Ähnliches bewegt wie uns.
Es waren erfüllte eineinhalb Jahre. Und wir Verantwortlichen fragen uns nun, was davon bleiben wird.
Einige der jungen Menschen sind stark eingebunden in Sportvereinen und im Orchester. Deshalb fehlte auch immer wieder der eine und die andere bei unseren Treffen. Der Konfikurs ist nämlich nur eine der Angebote in der Freizeit und rangiert keineswegs mehr an erster Stelle – selbst in der Konfizeit nicht. Das verunsichert uns.
Was bleibt? Die Konfirmierten gehen ihrer Wege. Und wir sehen sie dann leider selten. Vielleicht mal auf der Straße, aber wenig in der Kirche. Auch die großartigen Projekte, die unsere Jugendmitarbeitenden machen, locken nicht viele. Waren wir zu unverbindlich?
Was bleibt? Zweimal im Jahr lassen wir uns die Liste der Namen derer ausdrucken, die aus der Kirche ausgetreten sind. Um ihnen noch einmal ein Gespräch anzubieten. Neben den Namen stehen die Geburtstage. Und wir müssen feststellen: gerade junge Menschen, die mit der Erwerbstätigkeit beginnen, treten aus der Kirche aus. Warum ist ihnen die Kirche nichts mehr wert? Machen wir etwas falsch?
Das sind Fragen, die uns umtreiben, wenn ein Konfikurs zu Ende geht. Kurz vor der Konfirmation lesen wir aber nun diesen Text aus dem Alten Testament. Es ist ein Abschnitt aus dem Buch des Propheten Jeremia, der uns die Augen dafür öffnet, dass es nicht auf uns ankommt, sondern auf Gott.
Wir können uns noch soviel mühen, den Konfikurs erlebnisorientiert gestalten, Fahrten machen sonst wohin, etwas ansprechend durchdenken und diskutieren, auch ein wenig auswendig lernen lassen – das Feld beackert erfolgreich nur Gott.
Nicht, dass wir uns nicht mit dem Gebot der Nächstenliebe, mit christlichen Werten und Normen, mit der Vergebung von Schuld, mit dem Frieden auf Erden, mit dem Wächteramt der Kirche und mit unserer christlich begründeten politischen Verantwortung beschäftigen sollen. Aber der Funke springt nicht ohne Gott über. Er schreibt uns ins Herz – nicht ins Hirn! –, was unseren Glauben stärken kann. Und das ist die Stärke dieses Bildes: Wenn Gott es ist, der unser Herz „programmiert“, dann können wir gar nicht mehr anders, als zu leben, wie es ihm gefällt.
Auch das wird uns hier eingeprägt: Es sind nicht unser Wollen und Wünschen, unser Trachten und Tun, sondern Gott ist der Impuls dafür, füreinander da zu sein und Gutes zu tun.
Gott schreibt uns sein Gebot ins Herz. Dieses Bild stammt aus dem altorientalischen Schulwesen.
Diejenigen, die damals die verantwortungsvolle Aufgabe hatten, Texte zu schreiben – und das waren in jener Zeit immer wichtige Texte, wenn sie aufgeschrieben werden sollten – verinnerlichten gleichzeitig das, was sie zu schreiben hatten. Durch mehrmalige Wiederholung lernten sie die Texte auswendig. Bei Bedarf konnten sie sie sofort Wort für Wort wiedergeben. Das meinte man mit dem „ins Herz schreiben“.
Im Buch des Propheten wird dieses Bildungsideal jedoch noch gesteigert: Einerseits geht es nicht um einzelne elitäre Meisterschüler, denen man das Schreiben der Texte auftrug. Nun ist es das ganze Volk, das das, was wichtig ist, verinnerlicht. Und zwar nicht, indem es das Wichtige eingetrichtert bekommt oder indem es das Wichtige selbst paukt und auswendig lernt, sondern Jahwe tut es statt ihrer. Was die Schüler durch das Auswendiglernen verinnerlichten, pflanzt Gott hinein ins Innerste eines jeden, einer jeden.
„Siehe, es kommt die Zeit“, da wird es geschehen. Was wir versucht haben, uns vorzustellen, ist eine Vision. Die Vollendung all unseres Lehrens und Lernens durch Gott steht also noch aus.
Das heißt: Wir sollen auch weiterhin lehren und lernen, miteinander über Gott und unseren Glauben an ihn sprechen und zusammen nach Spuren des Unendlichen und Ewigen in dieser Welt suchen. Wir sollen an die Kinder und jungen Menschen weitergeben, was uns wichtig geworden ist im Laufe unseres Lebens. Dazu zählen nicht nur das Glaubensbekenntnis, die 10 Gebote, das Vaterunser und Psalm 23. Es sind vor allem unsere Erfahrungen, wie es ist: zu leben, als ob es das Unendliche und Ewige gäbe. Es sind unsere Überzeugungen, die aus diesem Glauben erwachsen, für die wir einstehen und wofür wir auch Verantwortung übernehmen. Es sind der Trost und die Stärke, die Hoffnung und die Zuversicht, die wir daraus schöpfen und wovon wir abgeben möchten an unsere Mitmenschen.
Der Konfikurs endet. Am Mittwoch treffen wir uns noch einmal, um zu erzählen und Pizza zu essen. Wir werden die jungen Leute fragen, was sie behalten haben von dem, was wir zusammen gemacht haben. Alles Weitere aber legen wir Gott ans Herz. Möge er vollenden, was nicht mehr in unserer Macht lag. Das ist ein gutes Gefühl, nicht allein verantwortlich zu sein. Wir wissen, dass noch etwas anderes in den jungen Menschen etwas bewirkt, das schöner ist als alles, was wir in den letzten eineinhalb Jahren mit den jungen Leuten an Gutem auf die Beine gestellt habe. Amen.
 
Lass uns beten:
Gott, wir danken Dir für Deine Verheißung eines neuen Bundes. Gestärkt können wir nun in die neue Woche starten. Dabei denken wir auch an Menschen, die Deine Hilfe nötig haben.
Wir bitten Dich für die Kranken, lass ihr Herz in Dir geborgen sein. Beschütze es und gib ihm Kraft.
Wir bitten Dich für Menschen, deren Herz zerbrochen ist. Pass auf sie auf und sei ihnen Halt. Sende Hilfe und heile die seelischen Wunden.
Wir bitten Dich, schreibe Dein Gebot jenen ins Herz, denen viel Verantwortung übertragen wurde. Dass sie tun, was dem Gemeinwohl dient.
Wir bitten Dich, erweiche jene Herzen, die zu Stein erstarrt sind. Dass die Menschen einsehen, dass Gewalt und Krieg beendet werden müssen.
Schreibe allen ins Herz, dass Du sie liebst. Damit die Liebe unser aller Leben prägt.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gibt uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Das sind unsere Kontaktdaten:
Marion Steffen im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an St. Marien herzlich.


Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz